Sind Wildbienen gefährlich?

 

Bienen damals und heute

Noch vor 50 Jahren gab es deutlich mehr Bienenarten, und diese hatten viel höhere Populationsdichten als heute, auch in der unmittelbaren Umgebung des Menschen: Bienen sammelten an den Büten der noch zahlreichen Wildkräuter und sie nisteten im Lehm oder Holz alter Fachwerkbauten, in Zaunpfosten, in Böschungen, an Wegrän- dern, auf Brachen – kurz gesagt: Sie waren in ebenso grosser Zahl allgegenwärtig wie Fliegen, Schmetterlinge und Käfer.

Wurde man gestochen, dann wurde man eben gestochen: in der Regel von Wespen, die in einem Stall oder Schuppen ihre Nestkugel gebaut hatten, oder von Honigbienen, die man hielt. Ein Problem sah darin fast niemand, und das Immunsystem verkraftete das schwache Gift problemlos. Vor Hummeln und Einsiedlerbienen hatte niemand Angst.

 

Können Bienen stechen?

Einsiedler- bzw. Solitärbienen von der Grösse einer Honigbiene müsste man zwischen den Fingern zerdrücken, um sie zu einem Stich zu nötigen. Wenn man sie dabei gegen eine weiche, empfindliche Hautstelle hielte, wurde man ein Stich wie bei der Grippeimpfung spüren. An der dicken Hornhaut der Fusssohlen aber hat nur der Stachel der grössten Solitärbienen eine Chance.

Völlig wehrlos gegen Menschen sind die kleineren Bienenarten: Unsere Haut ist fur ihren kleinen Stachel einfach zu dick.

 

Sind Bienen aggressiv?

Wirklich "aggressiv" in dem Sinne, dass sie den Menschen scheinbar grundlos attackiert, ist keine Bienenart. Bienen versuchen auch nicht wie Wespen und Fliegen, an Süssigkeiten zu gelangen. Die Frage ist also: Greifen Bienen an und wollen sie stechen, wenn sie sich von Säugetieren oder Menschen am oder im Nest bedroht oder gestört fühlen?

Einsiedlerbienen machen nicht einmal den Versuch, ihre Nester gegen Angriffe zu verteidigen. Man konnte sich problemlos vor eine Wand mit Mauerbienen-Nestern oder gar mitten in eine Erdbienen-Kolonie stellen: Die Tierchen unternehmen nichts, um ihre Nachkommenschaft zu schutzen, selbst wenn viele von ihnen an einem Ort (in einer sog. Aggregation) nisten. Ausgerechnet die Bienen, die heutzutage am häufigsten Befürchtungen oder gar Panik auslösen, sind auch die harmlosesten. Bienen, die etwa im Boden von Kinderspielplatzen (im Rasen, im Erdhugel unter einer Rutsche etc.) nisten, sind also vollig ungefährlich.

 

Keine Gefahr

Viele Wildbienen sind Kulturfolger (sog. synanthrope Arten), die in unmittelbarer Nähe des Menschen nisten, also in kleinen bis grösseren Hohlräumen in Wänden, Schuppen, Dachboden etc. Leider kommt es immer wieder zu völlig irrationalem destruktivem Verhalten gegen die Bienen und ihre Nester.

 

Bienen im und am Haus

Solitärbienen, vor allem die flexiblen Mauerbienen, sind in ihrer Nistplatzwahl mindestens ebenso anpassungsfähig: In Löchern im Putz oder Holz, in Lucken zwischen Türrahmen und Mauerwerk, in Fensterdichtungen, unter Dachpfannen, zwischen den Brettern eines Gartenhäuschens, im Stiel eines Keschers, in Schlüssellöchern — es gibt kaum Stellen, wo ihre Nester nicht gefunden werden. Das "Füllmaterial" besteht aus nichts anderem als Pollen, etwas Nektar und Lehm – manchmal auch zerkauten Blattern. Harmlos, sollte man meinen.